Eine Forschungsreise – a research trip (Part 3)

Am Montag Morgen fuhren wir um 6.30 Uhr mit dem Zug nach Assiut.
Ramses Station ist der Hauptbahnhof von Kairo und ist von Aussen ganz neu renoviert, ebenso das Innere der Bahnhofshalle, die den neuen Louvre Eingang kopiert.
Der Gegensatz zwischen dem Hochglanz der Bahnhofshalle und dem Chaos und Dreck auf den Bahnsteigen könnte nicht grösser sein. Die Züge sind alt, wobei die Expresszüge noch einigermassen in Schuss sind. Einigermassen weil der Zug am Montag Morgen dermassen dreckig war, dass es für arme kleine Schweizer Seelchen sehr viel Ueberwindung kostete auch nur auf den Sitzplatz zu sitzen. In der 1. Klasse ist etwas weniger Chaos beim Einsteigen, während in der 2. Klasse alle irgendwo hineindrängen – egal wo – und dann im fahrenden Zug ihren Sitzplatz suchen und dafür Kartonschachteln, Tüten und Taschen, Koffer, Frauen und Kinder einmal quer durch den Zug transportieren müssen. Zwischen den Waggons gibt es Toiletten, die man besser nicht benutzt (was nicht ganz einfach ist bei 5h Zugfahrt) und dort wird auch geraucht, dort sitzen Soldaten und Polizisten und wer keine Platzreservierung hat. Die Regionalzüge in Aegypten sehen so aus, wie Waggons, die zu Feuerwehrübungen in der Schweiz benutzt worden sind – sie haben keine Fenster und Türen mehr und man springt dann einfach mal auf.Auf den Bahnhöfen wird einfach über die Geleise gesprungen, Kinder suchen zwischen den Geleisen nach Büchsen für Pfand…

Monday morning, 6.30, we left Cairo for AssiutRamses Station is the main station of Cairo and is newly renovated – the outside and the hall look stunning, copying the Louvre entrance. The platforms are different though and the contrast could not be any bigger. The trains are old, the express trains are kind of ok, kind of I say, because the train is so dirty that our small swiss souls need a lot of effort to just sit on our seats. The 1. class is a bit less chaotic, whereas the 2. class is pure chaos when entering the train. Everybody is just trying to get on the train somewhere, searching for their seats then later on when the train is on its way already. Bags, suitcases, boxes of all sizes, kids, babies and women will be transported from one end of the train to the other. In between the waggons are toilets (better not be used, but not easy when traveling for 5 hours), it is the smoking area and soldiers, policemen and those who don’t have reserved seats are staying there.

The regional trains look like material that had been used by firebrigades for traning sessions – not windows or doors and people just jump off and on the train… And on the tracks children are collecting bottles and cans to get the deposit…

Als wir mit dem Zug in Al Minya waren, etwa eine Stunde vor Assiut, hielt der Zug auf der Strecke an und nichts passierte mehr. Youssef unser Uebersetzer zog los um sich zu erkundigen und fand heraus, dass auf der Strecke zwischen Al Minya und Assiut ein Zugunfall stattgefunden hatte und zwei Waggons aus dem Gleis gesprungen waren. Diese mussten mit einem Kran wieder auf die Geleise gehievt werden, damit die Strecke wieder frei ist – und das kann dauern. Zuerst hiess es eine Stunde – wobei damit eine ägyptische Stunde gemeint war und also hiess: das kann dauern, so zwei, drei Stunden, wir wissen es noch nicht, aber erst mal warten. Die Archäologen, die uns in Assiut erwarteten und die Pro Helvetia telefonierten sich durch die Bahnhöfe und den Zug und fanden schliesslich heraus, dass dies ägyptische zwei Stunden dauern konnte – sprich den ganzen Nachmittag. Nach einer Weile durfte unser Expresszug auch in den Bahnhof von Al Minya einfahren und dort weiter warten.

Währenddessen wurde organisiert, dass wir mit einem Taxi nach Dairut fahren sollten, wo sie uns mit dem Fahrer, der uns in den nächsten Tagen zu archäologischen Stätten bringen soll, abholen werden. So könnten wir schon zwei Orte, die eigentlich für den Dienstag Morgen geplant waren, anschauen und hatten am Dienstag mehr Zeit.

Wenn we arrived in Al Minya, about an hour away from Assiut, the train suddenly stopped. Nothing happened for a long time and Youssef our translator asked around to find out what is happening. A train crash had happened between the stations of Al Minya and Assiut and two wagons derailed. Those would have to be lifted back in their tracks to clear the way and this would take its time. First we were told that it is going to take an hour – probably an Egyptian hour, meaning: two, three maybe more hours and we don’t know yet. The two archeologists and Pro Helvetia had been on the phone all the time to find out that this will take several hours, probably the whole afternoon. After some time our train could enter the station of Al Minya to wait there.

In the mean time it had been organized that we will drive to Dairut by Taxi, where we will meet the archeologists. This meant as well a program change, for some archeological sites we would have been visting the next day are near Dairut and we could look at them this afternoon already.

Soviel Organisation und Flexibilität hatten wir eigentlich gar nicht erwartet und waren einigermassen erstaunt. Youssef organisierte das Taxi – vor allem die Verhandlungen mit dem Taxi Fahrer über einen angemessenen Preis, denn wenn klar wird, dass sehr weisshäutige Ausländer im Spiel sind, wird es immer gleich sehr viel teurer – und wir fuhren mit einem alten Tatra Taxi – eng, nicht ganz so schlimm müffelnd, wie der Zug, ohne Kakerlaken, eine ägyptische Stunde – also zwei europäische – quer durch das Land. Vom Verkehr haben wir ja schon berichtet, der ist auf dem Land nicht anders, nur dass zum allgemeinen Verkehr noch TucTucs – kleine dreirädrige Gefährte, ähnlich wie italienische Apen, nur kleiner – und Eselkarren und Eselreiter dazukommen.

We were astonished at the flexibility and organization, we would not have expected such a fast change or program. Yossef organized the Taxi – especially the negotiations with the driver about the prize was delicate for two white Europeans make such an arrangement immediately more expensive – and we drove off with an old Tatra (cramped, but not as smelly as the train, without cockroaches) through the countryside to Dairut. The journey should take us an hour, which was an Egyptian hour as well. We already had been talking about traffic in Egypt. It is not different in the countryside, but you can ad donkeys and donkey carts to the general traffic plus more TucTucs that are a bit similar to Italian Apes.

In Dairut trafen wir die Archäologen und fuhren gleich zu den Gräbern von Meer. Das sind altägyptische Gräber aus dem Alten und Mittleren Reich, die oberhalb des Niltals in der Wüste in die Berge geschlagen sind. Damit diese nicht noch weiter geräubert werden, werden sie streng bewacht. Diese Gräber sind an sich auch nicht zugänglich oder touristisch erschlossen – das war also etwas sehr besonderes. Die Gräber sahen aus, als ob sie nicht fertig gestellt worden seien. Dies passierte allerdings zum Schutze der Gräber, um Grabräuber zu zeigen, dass hier nichts zu holen sei. Allerdings war dies nicht wirklich erfolgreich. Was sehr spannend war und was wir bisher noch nicht gesehen hatten, das war, dass in diesen Gräbern Vorzeichnungen mit Rötel und Kohle auf den Wänden waren und so die ersten Schritte der Gestaltung dieser Gräber von Innen klar gemacht wurden: Raster aufzeichnen, Figuren, Hieroglyphen und Zeichnungen auftragen, mit einem Meissel zu Reliefs bearbeiten und dann bemalen. Vor mehr als 4000 Jahre alten Zeichnungen zu stehen, das ist wirklich beeindruckend, vor allem, wenn diese so aussehen, als seien sie erst gestern verlassen worden.

In Dairut we met Ali and Mahmoud, the archeologists and we drove to the tombs of Meer. These are tombs of the Old and Middle Kingdom being rock-cut in the mountains above the valley of the Nile. They are closely guarded for many have been (or still are) robbed and they are not open to public. While visiting those tombs we saw something we didn’t know yet. The tombs looked like they never had been finished – which was made on purpose to show grave robbers that they would not find anything. Albeit it dod not work out in the end, but this visit was something very special. On the walls we could not only see the typical hieroglyphs and drawings but the tracing and preparations of the old Egyptian artists at their time. Using charcoal and red chalk the artists had made their grids and tracings on the wall, as well as the forming of the relief of the drawings. We could see all stages of their artistic work from the sketch to the colourfull drawings at the end. This was an extraordinary experience to stand there and to look at 4000 year old drawings, especially for they looked like the artists just had left.

Nach den Gräbern fuhren wir zum El Muharraq Kloster. Das ist ein koptisches Kloster, das für sich in Anspruch nimmt, dass Maria und Joseph auf ihrer Flucht nach Aegypten vor den Schergen von Herodes hier halt gemacht hat und in einem Haus gewohnt, bis die Luft wieder rein war und sie zurückkehren konnten. Wissen und Glauben liegen da nahe beieinander.

Die koptischen Christen sind eine Minderheit in Aegypten, die für sich beanspruchen, die Traditionen der Pharaonenzeit weiterzuführen und die richtigen Aegypter zu sein. Sie wurden von den Römern verfolgt und auch heute ist ihr Status nicht der beste – so blühen die Legenden und Orte, an denen Spirituelles Ersatz liefert für die täglichen Niederlagen im Alltag.
Neben einer eher einfachen Kirche, die angeblich aus dem Haus von Maria und Joseph entstanden ist, gab es noch ein Fort bzw. ein Turm für den Rückzug bei Angriffen. Die Anlage ist sehr schön, gross, weitläufig mit einer schattenspendenden Baumallee.

Then we drove to the El Muharraq monastery. This is a coptic monastery that exclaims to be built on a house where Joseph and Mary lived during the time of the flight to Egypt, when they fled Herods soldiers. The legend tells they stayed in the house until they could go back to Nazareth. Believe and knowledge sometimes are quite near to each other. The copts are an Egyptian minority claiming to be the real ancestors of the real Egyptians and the Pharos. The have been persecuted by the Romans and are still today. Their status in Egypt is not the best and it seems to us that sometimes the legends help to have a spiritual compensation for the daily defeats.
Apart from a rather simple church that has been constructed on the remains of the alleged house of Mary and Joseph, a fortress or better a tower was built as a snug when they were attacked. The complex is huge, nicely preserved and spacious with a shade spending grove.

In Assiut waren wir auf einem Nilkreuzfahrtschiff untergebracht mit ägyptischen 5 Sternen. Kaum hatte die Pro Helvetia die Zimmer für uns gebucht, rief schon der Polizeichef von Assiut an, um zu fragen, warum diese beiden Ausländer nach Assiut kommen, was die da machen und ob sie Polizeischutz brauchen. Es ging ihm wohl um beides – unseren Schutz zu garantieren und herauszufinden, was wir dort tun werden. Youssef wurde auch jeden Abend von ihm angerufen. Das Hotel war OK, die Dusche funktionierte, es war sauber.

In Assiut we had been accomodated on a nile cruiser, Egyptian 5*. As soon as Pro Helvetia booked the rooms, they had a call from the local police authority, asking why those foreigners will stay in Assiut, what they will be doing and whether they will need protection. It must have been both probably – to guarantee security and to find out what we will be doing in Assiut that was behind the phone call. Our interpreter was called every night, too and asked about the day. The hotel was fine, the shower worked and it was clean.

Am Dienstag wurden wir von unseren beiden Archäologen Ali und Mahmut abgeholt. Wir fuhren zuerst zu den Ruinen eines koptischen Klosters nördlich von Assiut. Das Kloster war aus Lehmziegeln gebaut und auch wenn es nicht oft in Aegypten regnet, so zerfielen diese nicht gebrannten, nur getrockneten Ziegel relativ schnell. Das Areal war recht gross, enthielt die Ruinen mehrerer Kirchen, einer Textilverarbeitung, einer Färberei usw und war atemberaubend in die Berge (und damit die Wüste) oberhalb des Niltals gebaut. Die erste Kirche war in den Fels geschlagen worden und hatte enorme Ausmasse, beherbergte aber nur noch Tauben und anderes Viehzeugs. Ein zweites Kloster, das wir danach besuchten, ist noch intakt, inklusive Felsenkirche.

On tuesday our archeologists Ali and Mahmoud collected us and we drove to the ruins of a coptic monastery north of Assiut. The monastery had been built of mud bricks and even if it did not rain very often in Egypt, the mud bricks mouldered relatively fast. The area was huge and we could see the ruins of several churches, a textiles manufacturing place, a dyeworks and more, all buildings had been built above the Nile valley in a breathtaking surrounding into the mountains and the desert. The first church had been rock-cut into the mountain and was really spacious, although today it was occupied by doves and some other animals (that we did not to meet to closely). The following monastery was in good order, including the rock-cut church.

Zurück in Assiut haben wir zuerst ein Hammam aus der ottomanischen Zeit angeschaut, das bis in die 80er Jahre noch in Betrieb war. Das Bad zerfällt langsam und die Archäologen würden es gerne restaurieren, allerdings fehlt dazu das Geld.

Nach dem Hammam zeigten sie uns ein Handelshaus, eine Art Kontor in dem Gewürze gehandelt wurden. Kaufleute, die mit einer Karawane Station in Assiut machten konnten dort wohnen (1.Stock) und einen temporären Handel mit ihren Waren betreiben (Erdgeschoss). Das Haus hat einen grossen Innenhof mit kleinen Ladenlokalen und darüber ein rundumlaufender Balkon mit Wohnungen. Dieses Kontor haben sie vor kurzem renoviert.

Ein weiteres, das ebenfalls renoviert wurde, ist allerdings noch bewohnt – von denselben armen Familien, die vorher darin gehaust haben. Diesen Familien hat der Staat noch keinen Ersatz angeboten, deswegen durften sie erst einmal wieder einziehen – wahrscheinlich ist das Haus dann wieder restaurierungsbedürftig.

Wir wurden zum Essen eingeladen – es gab Nilfisch, Tahina, Humus, Reis usw. was alles sehr lecker war.

Back in Assiut we visited a Hammam from the ottoman period that still was running until the 80ies of the last century. The Space is decaying and it would be the wish of our archeologists to renovate and preserve the place, but the money is missing. We were shown a trading house or trading station, where merchants arriving with a caravan could stay (first floor) in an appartment and open a temporary shop (ground floor) to sell their products. The house had a huge patio with small shops and a circular balkony on the first floor, where the appartments had been. The house had been renovated a short time ago. Another house had been renovated, too, but it was inhabited by poor families. The state has to find room for those poor families to move to and probably it needs another renovation then again, when they move out. We were invited to a delicious Egyptian meal with fish from the Nile, Tahina, Humus, Rice and many more things.

Am Abend gingen wir das Highlight der Archäologen anschauen: ein Aquädukt, das in der jetzigen Form aus der ottomanischen Zeit stammt, aber frühere Mauern zeugen davon, dass es sehr viel älter ist. Mitten an einem belebten Platz mit Verkehrschaos und fliegenden Händlern hatte es sich unter abgestellten LKWs und Müll versteckt und ist jetzt ein renovierter archäologischer Freiraum, der mit Gittern vor dem wilden Leben draussen freigehalten werden muss.

At night we visited the highlight, a newly restaurated bridge that is much older than the actual version, dating back to the ottoman empire. The bridge can be found in the centre of Assiut at a square with the normal daily Chaos you can find everywhere in Egypt. Originally the bridge was hidden under a lot of garbage, cars, lorries and it is now a free space – everyday life has to be kept out to keep it in the actual state.

Am nächsten Morgen holten uns die Archäologen ab um das Museum von Assiut zu zeigen. Das sind zwei Räume in einer Privatschule in Assiut mit spannenden Funden – unter anderem einer Mumie aus den Gräbern von Meer, Tiermumien, Keramik aus der vordynastischen Zeit von etwa 3300 v. Chr. usw. und das Museum erinnerte uns sehr an das ursprüngliche Museum in Pfyn.

 

Die Zugfahrt zurück nach Kairo war relativ ereignislos, bis auf dass sie sehr lange ging bis wir in Zamalek ankamen.

The next morning we had been collected by our archeologists to visit the museum of Assiut. The museum can be found in a private school. It is situated on the second floor of a library in two rooms and it looks like a cabinet of wonders – a mummy of the tombs of Meer, predynastic ceramics (about 3300 BC) and many more things. It reminded us a lot of the original museum in Pfyn.

The train ride back to Cairo was relatively uneventful, apart that it took a very long time until we arrived in Zamalek.

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