Leben in Pfyn

Als Kinder sassen wir oft auf der Treppe und haben gestrickt. Weil der Vater früh starb mussten wir Kinder schon von früh an mithelfen: Wir mussten putzen, helfen und eben stricken.

Am Abend mussten wir warten, bis die Vereine draussen waren und dann schliessen – meine Mutter war Abwart in der Schule. Jeden 3. Sonntag im Februar war Bürgertrunk im Bürgersaal. Da gab es eine Gemeindeversammlung, bei der es Wein, Brot und Salsiz gab. Ein bis zwei Auswärtige, die nicht Bürger von Pfyn waren, wurden auch immer eingeladen. Nach der Versammlung gingen alle in die Wirtschaft. Wir mussten dann auch immer warten bis alle draussen waren.

Die Hauptstrasse ging direkt unter der römischen Mauer durch. Es gab da einen Hühnerhof und einen Garten mit zwei Bäumen. Aber damals gab es noch nicht so viel Verkehr. Die Leute kamen aus Dettighofen und Lanzenneuforn zu Fuss in die Kirche.
Wir haben auch immer Ausflüge gemacht, wir sind jedes Jahr nach Klingenzell und Mammern und wieder zurück gelaufen, oder auf den Stähelibuck.

Wenn ein Grab ausgehoben wurde, dann sind wir als Kinder immer die Knochen anschauen gegangen. Immer wenn ein Grab neu ausgehoben wurde, dann sind da Knochen hervorgekommen. Als Kinder fanden wir das interessant, die dann anschauen zu gehen.
In dem Haus unterm Friedhof gab es einen Schuhmacher, der war schon sehr alt. Er hat alles noch von Hand gemacht. Auch da sind wir immer schauen gegangen. Das Haus ist recht heruntergekommen und einer hat dann in die Friedhofsmauer reingebaut und das ist dann abgerutscht.

Ich bin geboren in dem Haus im Städtli, das abgebrannt ist. Der Brand war etwa 1975 oder 78. In dem Keller von dem kleinen Haus daneben war ein Holzlager und Gänge. Im Haus daneben gab es einen Keller der mit Bollensteinen gebaut war.
Ich bin 1924 geboren. Es gab noch einen Stall mit zwei bis drei Kühen und neben dem Haus stand ein Lindenbaum. Nach dem Tod vom Vater wurde das Haus verkauft und wir sind in das Schulhaus umgezogen. Es gab zwei Wohnungen im Schulhaus und eine Wohnung in der Trotte. Da wohnte die Bollenfresserin. Im Krieg wurden dann bei uns Soldaten einquartiert und in unserem Esszimmer wohnte dann ein Fotograf, ein Pole. Der Lehrer wohnte in der anderen Wohnung. Früher durften Lehrer nicht ausserhalb der Gemeinde wohnen. Mein Vater hat in der Mühle gearbeitet. Dort hat er auch drei Finger verloren.

Mit 15 Jahren habe ich angefangen in der Vigogne zu arbeiten, das war 1939. 19 Rappen bekam ich in der Stunde. Der Mann hat auch in der Vigogne gearbeitet; er hatte das Elektrische unter sich, die Heizung und die Kohlen. Jeden Morgen um 4 oder 5 Uhr hat er angefangen zu arbeiten. Er sah auch beim Kanal nach dem Rechten und musste den Rechen am Kanal immer sauber machen.
Wenn es mal keine Aufträge gab, dann mussten wir putzen. Wir haben dann die ganze Fabrik geputzt, auch die Fenster. Es gab auch das Mädchenheim in Pfyn. Dort waren deutsche Mädchen untergebracht, die in der Vigogne gearbeitet haben. Der Adelberg gehörte auch zur Vigogne.

Meine Grossmutter hatte sechs Geschwister und alles waren Frauen. Die hatte auch einen kleinen Laden neben der Wirtschaft, einen Gemischtwarenladen. Zu dem Laden gehörte auch ein Wagen und mit diesem Wagen ging sie hausieren. Sie ist bis nach Matzingen mit ihrem Wagen. Es gab immer viele, die von auswärts in die Wirtschaft Sternen kamen. Zuerst in die Kirche und dann zum Kaffeetrinken. Als meine Grossmutter alt war, hat sie den Sternen verkauft und in Frauenfeld einen Laden aufgemacht.